… eigentlich ist er ein ganz Lieber …
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Halterinnen und Halter,
wie er eigentlich ist, ist sicherlich viele Geschichten wert. Entscheidender aber ist nicht das „eigentlich“, sondern der Hund selbst. Und der ist – milde ausgedrückt – distanzlos. Vielleicht aus diesem oder jenem Grund. Aber, „vielleicht“ ist wie „eigentlich“: ein Nuance von Unsicherheit, Möglichkeit und Einschränkung.
Als Hundehalter darf man daher gerne Grenzen setzen – freundlich aber bestimmt. Sowohl gegenüber den Eigenmächtigkeiten des Tieres im Umgang mit Fremden als auch bei ungefragten Urteilen Fremder über das Tier.
Wenn er „doch nur spielen will“, wäre es ausgesprochen charmant, wenn sich Frauchen, Herrchen oder Halterchen genau dieser Aufgabe annähme. Unbekannten Zufallsbegegnungen ist dieses Amt nicht überzuhelfen – zumal nicht bei offensichtlichem Desinteresse des Passanten. Und auch nicht, wenn Hund diese Idee mit Nachdruck durchsetzen will.
Wenn Hunde Stimmungen und Körpersprache so fein wahrnehmen, wie es Hundetrainer gerne betonen, so sollte Hund auch lernen dürfen zu erkennen, wann jemand nicht für seine Belangen zuständig sein möchte. Ein Verhalten, das dem unmotiviert testosterongesteuerten „Was kuckst Du?!“ junger Menschen ähnelt, die ihre Unsicherheit demonstrativ raumgreifend kompensieren wollen, verweist eher auf so etwas wie einen Erziehungsnotstand.
Verhaltenspsychologisch gesprochen: In Situationen, in denen die Vielzahl an Möglichkeiten durch kulturelle Muster oder persönliche Einschränkungen begrenzt ist, kann Unsicherheit entstehen. Diese wirkt von außen mitunter wie „Ungehorsam“, ist jedoch eher Ausdruck von Überforderung, Stress oder schlicht Haltlosigkeit, infolge fehlender Haltung des Halters – keine klaren Signale.
Apropos: „Völker hört die Signale“, wenn Sie in Spandau wohnen oder arbeiten und im Bereich Darstellende Künste tätig sind: Der Kulturpreis „Der Julius“ wird wieder ausgelobt! Die Bewerbungsfrist ist vom 11.05. bis zum 19.06.2026 – alles Wissenswerte dazu finden Sie hier.
Weiterführendes mit anderen Qualitäten finden Sie auch im Programm des Kulturhauses, wie auch im Spielplan des Kinos.
Offene „Weltverhältnisse“ stellen jeden vor Herausforderungen. Aber im Unterschied zum Tier, das weitgehend in eine spezifische Umwelt eingepasst ist, ist der Mensch nicht auf eine bestimmte Lebensweise festgelegt. Er wird nur selten durch instinktive Programme durchs Leben geführt. Der Mensch ist „exzentrisch“: Er kann sich zu sich selbst und zur Welt in Distanz setzen. Dafür stehen ihm Kultur, Wissen und Technik zur Verfügung. Resonanzerfahrungen sind also möglich.
Allerdings, wenn Beziehungen vor allem zweckdienlich sind, wenn es primär um Bedürfnisdurchsetzung, Besitzansprüche oder die reibungslose Verlängerung des eigenen Willens geht, „… dann bleibt die Welt stumm“, so etwas formulierte jedenfalls der Soziologe Hartmut Rosa.
Vielen Dank für Ihre Besonnenheit sagt
Michael Pfeil