… wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen …
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Beobachterinnen und Beobachter,
für eine dichterische und humorvolle Auseinandersetzung mit dem ländlichen „hinter den sieben Bergen“ ist die Kinderbuchliteratur immer eine gute Fundgrube. Im eingangs erwähnten Fall hat sich Kathrin Schärer in einer Geschichte mit dem gleichlautenden Titel Gedanken darüber gemacht, was passieren könnte, wenn sich Fuchs und Hase tatsächlich gute Nacht sagen würden. Wenn Sie Muße haben oder Dreijährige belesen möchten, kann das sehr unterhaltsam sein – aber das nur am Rande.
Unterhaltsames ganz anderer Art bietet auch das Programm des Kulturhauses, ebenso wie der Spielplan des Kinos. Die Open-Air-Kino-Saison startet in Spandau übrigens am 19. Juni, das Programm dafür gibt es bei Zeiten hier.
Fuchs und Hase oder auch „Wildtiere“ im Allgemeinen leben bekanntermaßen gerne im städtischen Umfeld. Einfache und reichliche Nahrungsfindung, milderes Klima und Rückzug vor möglichen Feinden können Anwesenheitsgründe sein. Da der Mensch mit seiner Landnahme andere Lebensräume gern für eigene Vorhaben nutzt, scheint die Stadtlandschaft durchaus eine Alternative zu sein – obwohl anders toxisch und bejagt. Das engere Zusammenleben der „Wilden“ mit den „Zivilisierten“ führt natürlich zu Konflikten und beflügelt darüber des Menschen Fantasie. Kurt Tucholskys hat mit der Satire „Der Löw‘ ist los“ die absurde Eigendynamik beschrieben, die damit einhergehen kann und die im täglichen Leben tatsächlich immer mal wieder Bestätigung findet: Sensationsjournalismus, Hysterie und extreme Polarisierung.
Wildtiermanagement-Konzepte möchten deshalb gerne die städtische Koexistenz regeln, damit es mit dem Zuhause für alle funktioniert – im Interesse der Wildtiere, der biologischen Vielfalt in der Hauptstadt und der Bürgerinnen und Bürger, wie es von offizieller Seite heißt. Die Hoffnung der Offiziellen ist es zudem, dass die wachsende Wildtierpopulation ein ökologisches Gleichgewicht in der Stadt wiederherstellen kann. Allerdings kann das eingewanderte Ökosystem die heimatlichen Umgebung auch mit mitgebrachten Parasiten versorgen, die ohne die „Kulturfolger“ nicht da wären. Wenn Hase und Fuchs einen zugewandten, freundschaftlichen Umgang pflegen, bedeutet das für die Schicksalsgemeinschaft noch lange nicht, dass sie einen Haustierstatus bekommen können – nur weil sie süß sind und den gleichen Lebensraum beanspruchen.
Apropos süß und gleicher Lebensraum, die Freilichtbühne an der Zitadelle öffnet bekanntermaßen demnächst ihre Pforten und bietet dann vielfach unterhaltsames Programm. Derzeit wird die Bühne noch vom Wildgetier bespielt, dessen Programm wir Ihnen nicht vorenthalten möchten – aber nur gucken, nicht füttern – hier, hier, hier und hier
Wenn Sie jetzt vielleicht noch für Literarisches, für so ab achtjähriges Personal interessieren wollen, in dm „Zusammenleben mit Tieren“-Kontext: „Törtel, die Schildkröte aus dem McGrün“ wäre eine Möglichkeit und die nicht nur für Vorlesenlassende amüsant ist.
Vielen Dank für Ihre Besonnenheit sagt
Michael Pfeil