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NotizenfürdenMoment-3

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Menschen im Straßenverkehr,

Menschen im Straßenverkehr sind in der Regel Personen, die zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder anderen Fahrzeugen unterwegs sind. Mit etwas Bezug aufeinander könnten Menschen im Straßenverkehr miteinander sein. Aber, Menschen im Straßenverkehr wissen auch was sie müssen. Deshalb sind Menschen im Straßenverkehr oft emotional und verhalten sich territorial. Das kann allerdings dazu führen, dass zuweilen der Eindruck entsteht, Menschen im Straßenverkehr wären in gewisser Weise aggressiv – nicht generell, aber vereinzelnd. „Road Rage“ könnte man im Fachjargon sagen; deren ausgeprägteste Form wäre der körperlichen Angriff. Aber auch schon Schreien, obszöne Gesten oder absichtliches Be- und Abdrängen zählt dazu.

Apropos bedrängen, falls Sie interessiert sind und Sie sollten es sein, dann können Sie einen Blick wagen, ins Rest-Programm der Freilichtbühne und darüber hinaus. Der Endspurt steht an. Am Mo. Den 14.9. ist die Saison Geschichte. An diesem Tag könnten Sie aber, so in Erinnerung an die Open-Air-Saison, das letzte Montagskonzert des Jahres auf dem Reformationsplatz in der Altstadt Spandau besuchen. Sie dürfen sich aber auch gerne für die Spielpläne des Kinos interessieren, hier wie da.

Das Problem, wenn Menschen im Straßenverkehr ein Problem haben, könnte grundsätzlich in der Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen. Dazu gesellen sich mitunter situative und andere persönliche Faktoren – Wartezeiten, Stress, Überforderung. Aber auch die Verkehrsplanung hat ihren Einfluss. Und bedenkt man die steigende Anzahl an Verkehrsmitteln – Autos, Lieferwagen, LKWs, Busse, Motorräder, Fahrräder, E-Scooter und sonstiges – und die wachsende Zahl der -teilnehmer, dann organisiert sich diese Gemengelage zu entsprechendem Verhalten – so etwas bestätigt auch die Fachwelt.

Dennoch bleibt die Frage: Warum beschränkt sich der Mensch soweit? Wenn der Raum schon knapp ist, könnten sich doch wenigstens die Gedanken weiten. Stattdessen wird das Verhalten anderer leichtfertig als Charakterschwäche ausgelegt, während die eigenen Umstände einen selbstverständlich zum Opfer machen. Attributionsfehler würde die Sozialpsychologie anmerken. Jener Denkfehler, der das Verhalten der Anderen immer deren persönlichen Eigenschaften zuschreibt, während die äußeren Faktoren einer Situation maximal unterschätzt werden. Das lässt das Gegenüber dann schnell mal und freundlich ausgedrückt, zur „Zierde der Menschheit“ werden, die ihren Führerschein wohl im Lotto gewonnen hat.

Abwertungen sind in der konfliktbehafteten Kommunikation ohnehin das Thema. Da sich niemand so richtig aussuchen kann, ob er einen Konflikt haben will, könnte die Wahl dann wenigstens im Umgang mit ihm liegen. Bestenfalls kann man schon über den Anbahnungsversuch schmunzeln. Der wütende Mensch selbst merkt selten bis nie, dass seine Wut der eigenen Ohnmacht der Situation gegenüber entspringt.
Die gute Nachricht ist, dass es möglich ist, dem unerwünschten schädigenden Kommunikationsstil nicht aufzusitzen. Weil unser Gehirn doch anpassungsfähig ist und bis ins hohe Alter lernfähig. Und das ermöglicht es uns, dem Destruktiven, auch im Straßenverkehr eine Absage zu erteilen – selbst wenn es schwer erscheint.

Unser Gehirn liebt Effizienz und wählt deshalb standardmäßig ausgetretene Pfade: Kampf oder Flucht! Nimmt man für einen Moment diesen Autopiloten des Gehirns aus dem Spiel, könnte etwa konstruktiver Zynismus viel hilfreicher sein. Er schafft Distanz und kanalisiert die Energie Richtung Humor und baut den Stress damit viel schneller ab als Wut. Aber da wären wir schon in der Königsdisziplin. Der Psychologen Abraham Maslow formulierte seinerzeit „Ich glaube, es ist verlockend, wenn das einzige Werkzeug, das man hat, ein Hammer ist, alles zu behandeln, als ob es ein Nagel wäre.“ Manchmal ist ein tiefer Atemzug, mit der Entscheidung im Förmlichen zu bleiben, schon ein guter Anfang sich selbst und „den Nagel“ zu irritieren. Und Irritation ist immer ein guter Anfang um Situationen neu zu begegnen.

Vielen Dank für Ihre Besonnenheit sagt
Michael Pfeil