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NotizenfürdenMoment-3

Ha! Ho! Heja heja he! Fußball ist unser Leben …,

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

alle Jahre wieder nimmt sich der Fußball seinen Raum im Bewusstsein der Nationen – mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung. Auch wenn Fußball nicht unser Leben sein sollte, versucht er doch unser Leben zu regieren und mischt sich ins Tägliche. Nicht wenige „Unternehmen“ nutzen diesen „Halo-Effekt“ der WM, der die Hoffnung mit sich trägt, dass die positiven Merkmale des Ereignisses auf ihre Produkte abfärben – ganz nach dem Motto: Einer für alle.

Wo wir gerade dabei sind, das Programm der Freilichtbühne ist ebenfalls für alle da, wie auch die Spielpläne des Kinos – Drinnen wie Draußen.

„Ja, einer für alle, alle für einen. Wir halten zusammen, und ist der Sieg dann unser, sind Freud‘ und Ehr‘ für uns alle bestellt.“ So beschreiben es jedenfalls die Worte der Fußball-Chorliteratur von 1974. Wenn auch nicht beim Hören der Hymne, so doch beim Lesen des Textes könnte so etwas wie Nationalstolz ins Gedankengut rieseln.

Und die Wissenschaft kann bestätigen, dass internationale Turniere solche Tendenzen begünstigen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Spiele gewonnen werden. Dann schwillt er an, der Nationalstolz und damit letztlich auch die nationalistischen Einstellungen, die infolgedessen auch zu der Einsicht führen können, man sei den Anderen generell überlegen – ein schmaler Grat.
Doch ganz ohne Nationalgefühl macht ein Turnier der Nationen irgendwie auch keinen Sinn.

Nun ja, „Leider ist es im Fußball so, dass manche Mannschaften mit einfachen Mitteln gewinnen können“, so die Erkenntnis des aktuellen Bundestrainers. Und die Erkenntnis der Erkenntnis daraus ist, dass seine Jungs diese Mittel nicht hatten oder nicht eingesetzt haben oder nicht einsetzen konnten …?

Damit ebbte jedenfalls die nationale Faszination für die Weltmeisterschaft vollends ab. Kein: „Wir kämpfen und geben Alles, dann ein Tor nach dem ander’n fällt.“.
Werden mit dem Ausscheiden auch die Playmobilmännchen der Nationalmannschaft zum Ladenhüter? Oder waren sie es vorher schon?

Laut Umfragen soll die Mehrheit der Deutschen ohnehin ohne echte Vorfreude in das Turnier gestartet sein. Da half auch keine Kommerzialisierung. Nach dem sensationellen Aus der Mannschaft greift nun der „Horn-Effekt“, das Gegenteil des „Halo-Effekts“ nach dem Team. Spieler und vor allem der Trainer werden nun als generell untauglich abgestempelt; ohne dem Ausgang auch nur im Geringsten eine normale, mögliche Entwicklung zuzugestehen – auch wenn’s blöd ist.

Wie sagte es der große Fußballpoet Lothar Matthäus, „Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken“. An Komplexitätsreduktion könnte man denken, wenn man die persönliche Fixierung nur auf das Ergebnis eines Turniers richtet. Fußball ist letztlich eine große Seifenoper – mit Helden, Verrätern, Tragödien und Triumphen. Und egal wie dramatisch die aktuelle Folge endet, die nächste Episode kommt bestimmt und verspricht neue Spannung. Wozu also die Aufregung? Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Vielen Dank für Ihre Besonnenheit sagt
Michael Pfeil